China Urlaub 2004
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Das Reisen ist des Müllers Lust...

Wie jeder weiß, ist Reisen ein unerschöpflicher Quell neuer Erfahrungen und bietet ungeahnte Möglichkeiten sich über die Grenzen des bis dato Vorstellbaren hinaus zu blamieren.

Man nehme vier weit gereiste, sich selbst als höchstkultiviert einschätzende Europäer, die in einem erstklassigen chinesischen Restaurant in Kunming zu Abend speisen. Unter vielem anderen werden frittierte Blütenblätter in Honig serviert (vorn rechst auf dem Foto). Gegen Ende des Banketts hatten wir die glorreiche Idee, der Bedienung zu sagen, dass der Honig ganz besonders vorzüglich sei und zu fragen, ob wir eventuell ein Glas  kaufen könnten. Das Schicksal gab uns eine Gnadenfrist, indem es eine nur chinesisch-spachige Bedienung sandte. Ich schlug diese Chance allerdings in den Wind, musste unbedingt mit meinen chinesischen Sprachkenntnissen protzen und wurde auch leider prompt verstanden. Nach einem artigen Dank wurde mir versichert, es sei überhaupt kein Problem die Speise direkt vor Ort zu erwerben. Anschließend wurde dann vorsichtshalber noch eine Bedienung geschickt, die perfekt Englisch sprach und der wir die gleiche Bitte vortrugen. Nach kurzem Zögern brachte sie aus der Küche eine Konservendose mit dem Aufdruck: "gesüßte Kondensmilch". Als wir trotz ausdrücklicher Versicherung nicht glauben  wollten, dass das der von uns so hochgelobte Honig sei, haben wir noch eine Schüssel zum Geschmacksvergleich bekommen und sind anschließend von unserer Kaufabsicht zurückgetreten.

Sollten sich zukünftige Reisende in China also mit dem Vorurteil konfrontiert sehen, Langnasen würden eine Billigkonserve jeder noch so köstlichen Delikatesse vorziehen, so ist dies nicht der Arroganz der Chinesen zuzuschreiben, sondern basiert auf einer realen Erfahrung.

So sind wir also nicht ohne einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben, am nächsten Tag weitergeflogen nach Li Jiang. Die drei Tage dort waren gekennzeichnet durch jeweils sehr ehrgeizig klingende Tagesprogramme, die sich im Nachhinein allerdings als Halbtagesprogramme
herausstellten. Obwohl unser Fahrer (siehe links) sich selbst eine absolute  Höchstgeschwindigkeit von ca. 50 km/h auferlegt hatte und zum Warmwerden die ersten 10 km immer nur 20 km/h fuhr (wir haben ständig damit gerechnet, von einem Yak überholt zu werden), hatten wir noch einige überflüssige Zeit zu überbrücken. Folgendes wurde uns geboten:

- die längste Teezeremonie der Welt: Nach 2 Stunden haben wir dem Zeremonienmeister gesagt, er könne Schluss machen. Da konnte keiner von uns mehr Tee sehen, und der Zeremonienmeister selbst hatte schon geraume Zeit vorher angefangen, seinen Tee in einen Eimer zu schütten, statt ihn zu trinken.

- eine kostenlose Fußmassage: Leider haben wir nicht gründlich genug auf den Hinweis geachtet, dass es nach der Massage auch die Möglichkeit gäbe, chinesische Medizin zu kaufen. So sind wir also FREIWILLIG und sehendes Auges in eine hochprofessionelle Verkaufsveranstaltung marschiert. Während vier gedungene Helfershelfer uns an den Füssen festhielten, führte uns ein in Peking ausgebildeter Mediziner durch eine nur notdürftig getarnte Dauerwerbesendung. Falls uns der Hinweis auf sein Studium in der Hauptstadt noch nicht hinreichend von seiner Seriosität überzeugt hatte, so tat dies auf jeden Fall seine Präsentation einer spezieller Heilsalbe. Die Ankündigung "Now I will burn myself!" leitete den Höhepunkt der Darstellung ein. Leider folgte dann nicht die von mir erhoffte endgültige Klärung des rätselhaften Phänomens der spontanen Selbstentzündung. Stattdessen wurde eine rotglühende Eisenkette in den Raum geschleppt, die der Doktor ein paar Mal mit der Hand streifte. Das sofortige Auftragen besagter Salbe führte dazu, dass man nicht sehen konnte, ob tatsächlich Verbrennungen vorlagen, die eventuell hätten geheilt werden müssen. Nachdem bei uns durch bloßes Ansehen von weitem schon mehrere Leiden ungefragt diagnostiziert worden waren, haben wir dankend auf die Konsultation noch weiterer in den Kulissen wartender Doktoren verzichtet.

Zum Abschluss der Veranstaltung haben wir eindrucksvoll und ein für alle Mal bewiesen, dass sich nicht jeder von derart dreisten Drückermethoden zum Kauf von medizinisch fragwürdigen Produkten nötigen lässt. Harald hat nichts gekauft!!!! In Anbetracht dieses endgültigen Beweises von Willensstärke konnten auch Acki (mit zwei Fußbädern für 400 RMB), Gabi (mit einem Fußbad für 150 RMB) und ich (mit Ginsengtee für 200 RMB) hocherhobenen Hauptes den Saal verlassen.

Für den Abend hatten wir etwas voreilig Karten für eine Aufführung mit Musik einheimischer Minderheiten reserviert. Nachdem wir dann in einem Tempel ein einheimisches Orchester gesehen hatten, stellten wir uns auf einen Abend ein, an dem ein bestenfalls hausmusikerprobtes, in fadenscheinige Kostüme gewandetes Ensemble auf leerer Bühne zwei Stunden lang dissonante Klänge erzeugt, die sich für ausländische Ohren nicht voneinander unterscheiden lassen. Tatsächlich war die Darbietung aber absolut genial, mit mitreißender Musik, tollen Kostümen und umwerfenden Bühnenbildern und Lichteffekten.

Der letzte Abend in Li Jiang brachte als besonderes Highlight ein Essen bei einer einheimischen Familie. Wir hatten im Vorfeld schon sehr viel darüber gescherzt, wie wir plötzlich unangemeldet irgendwo auftauchen: Dingdong, und dann einfach rein marschieren, wie in einer Überraschungsshow von RTL. Als wir aber tatsächlich bei der ersten Familie wieder abgewiesen wurden, waren wir doch etwas erstaunt. Natürlich sind wir nicht einfach in irgendein Mietshaus gegangen, sondern das waren große zu Restaurants umgebaute Höfe, aber scheinbar hatte unser Guide sich nicht um eine Reservierung gekümmert. An der zweiten Adresse wurden wir zwar eingelassen, aber erst nach einiger Zeit und auch nur recht widerwillig bewirtet, da wir die einzigen Gäste waren und offensichtlich ein Mah Jongg-Spiel störten. Das Essen war zwar ausgezeichnet, aber die recht zugige Atmosphäre im offenen Innenhof und die nur etwa 20cm hohen Stühlchen machten den Aufenthalt insgesamt etwas beschwerlich.

Die anschließenden Tage auf Hainan waren perfekt bis auf die Tatsache, dass Japan uns im Asia-Cup geschlagen hat und dass an einem Abend das Buffet nicht nachgelegt wurde. Zu blöd, wenn man sich im ersten Gang nur einen Salat geholt hat und beim zweiten Gang plötzlich nichts mehr von den leckeren Sachen da ist.

 

 

Zuletzt aktualisiert am : Samstag, 18 September 2004  Fragen zur Homepage bitte an Webmaster@anette-harald.de