My Shanghai 1
Beim Haareschneiden Abend mit Udo My Shanghai 1 Bankett Führerscheinprüfung Wilbert und Hugo

 

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Anmerkung der Redaktion

Aufgrund von diversen Ablenkungen sowie der Ignoranz der Autorin gegenüber dem Medium "Internet" hat sich die Veröffentlichung des unten stehenden Berichts um einige Wochen verzögert. Ich bitte, die Tatsache, dass es sich somit um bereits leicht veraltete Informationen handelt sowie das etwas abrupte Ende, zu entschuldigen.

 

Heute ist Freitag, und Freitag ist Ay-Tag. Die Zeiten, dass Freitag Freutag - weil Fix und Foxy-Tag – war, sind lange vorbei. Die Ay kommt morgens um acht, also muss ich um sieben aus den Federn, um noch ein bisschen aufzuräumen und durchzuputzen. Naja, oder wenigstens, um mich anzuziehen, damit die Ay nicht denkt, ich sei ein faules nutzlosen Stück, das nur im Bett rumliegt. Ob ich bei ihr einen deutlich besseren Eindruck hinterlasse, wenn ich im Wohnzimmer oder auf dem Balkon rumhänge und Zeitung lese, vermag ich nicht recht einzuschätzen. Ich hoffe es zumindest…

Dienstag ist zwar auch Ay-Tag, aber das ist nicht schlimm, da ich dienstags und donnerstags in der Schule bin, um Chinesisch zu lernen. Die ersten Stunden habe ich leider verpasst (weil ich noch nicht hier war, nicht wegen Schuleschwänzerei!!). Nachdem ich in sechs Einzelstunden die vier Tonlagen der chinesischen Silben ansatzweise gelernt habe (Ich weiß jetzt, wie sie sich anhören sollen, bin aber stark im Zweifel, ob ich sie selber richtig treffe…), bin ich jetzt im Klassenverbund und lerne schon ganze Wörter.

Mittwoch ist der schwierigste Tag, weil ich da meinen Fahrer habe. Jede mitgebrachte Ehefrau kriegt von VW einen ganzen Tag in der Woche einen Fahrer zugeteilt. Stunden über Stunden zermartere ich mir das Hirn, was sich der Mann wohl gerne angucken würde. Ich brüte über Stadtführern und –plänen und versuche, eine möglichst interessante Route auszuarbeiten. Trotz all meiner Bemühungen werde ich regelmäßig von schockierenden Hiobsbotschaften aus der Bahn geworden. Einmal höre ich, dass jemand seinem Fahrer Zigaretten mitbringt für seine Mühe. Was soll ich machen? Ich habe meinen Fahrer noch nie rauchen sehen! Andere geben dem Fahrer Obst, wenn sie auf dem Markt eingekauft haben. Ich kaufe aber gar kein Obst. Und gezielt für den Fahrer einkaufen kann ich auch nicht, weil ich nicht weiß, was er gerne isst.

Am grausamsten getroffen hat es mich allerdings, als ich hörte, dass jemand regelmäßig mittags in einem Restaurant oder einer Shopping-Mall einen längeren Stopp einlegt, um dem Fahrer die Gelegenheit zu geben, selbst etwas zu essen. Das habe ich noch nie gemacht!!!! Mein Fahrer sieht auch schon ganz verhungert aus. Falls es also neue Berichte über Menschenrechtsverletzungen in China gibt: DAS WAR ICH!

Werden eigentlich von Amnesty International Fahndungsplakate mit Fotos öffentlich ausgehängt? Überschrift: „Wer in diese Augen blicken musste, hat unvorstellbares Elend erlebt.“ Oder gibt es neue schockierende autobiographische Enthüllungsberichte, wie zum Beispiel „Mein Leben als moderner Sklave“? „Textauszug: „Ich weiß gar nicht mehr, was Nahrungsaufnahme bedeutet. Ich bekomme nicht mal Zigaretten oder Obst. Manchmal habe ich sogar angefangen, an den Sitzen zu nagen,“ erzählt Wang Chang (Name von der Redaktion geändert) mit Tränen in den Augen. Die Augen wirken riesig mit ausgemergelten Gesicht…“

Tja, da denk ich lieber nicht dran. Gestern waren wir auf dem Oktoberfest. Hier im Schlaraffenland der Raubkopien gibt es natürlich auch täuschend echt nachgemachte Oktoberfeste. Uns wurde erzählt, dass die Chinesen nach ein paar Gläschen Bier anfangen, ausgelassen auf den Bänken zu tanzen. Während ich fröhlich feixend beobachtete, wie dieses alberne Treiben um uns herum einsetzte, legte sich plötzlich die schwere Hand des krachledernen Bandleaders der „Fröhlichen Münchener Musikanten“ auf meine Schulter, um mich der Spielverderberei zu beschuldigen. Soll schnell hat man noch nie jemanden aus dem Sitzen auf die Bank springen und losschunkeln sehen! Und dann der Versuch fröhlich zu wirken, während ich verzweifelt überlegt habe, wie viele Runden „lustiges Hut-Spiel“ auf der Show-Bühne wohl die Mindeststrafe für Nicht-Schunkeln sind.

 

Zuletzt aktualisiert am : Samstag, 18 September 2004  Fragen zur Homepage bitte an Webmaster@anette-harald.de